Simpel


  1. Ø 4.3
   2017

Simpel: Roadmovie mit Frederick Lau und David Kross als ungleiche Brüder, die sich auf die Suche nach ihrem Vater begeben - basierend auf dem Roman von Marie-Aude Murail

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Filmhandlung und Hintergrund

Simpel: Roadmovie mit Frederick Lau und David Kross als ungleiche Brüder, die sich auf die Suche nach ihrem Vater begeben - basierend auf dem Roman von Marie-Aude Murail

Die beiden Brüder Ben (Frederick Lau) und Barnabas (David Kross) sind absolut unzertrennlich. Ein Herz und eine Seele. Weil sich Barnabas geistig auf dem Stand eines Dreijährigen befindet, wird er von allen bloß Simpel genannt. Und obwohl er manchmal schrecklich nervend sein kann, würde Ben seinen Bruder nie aufgeben. Doch als die Mutter der beiden stirbt, soll Barnabas in ein Heim gesteckt werden. Ehrensache, dass Ben mit ihm ausbricht.

Gemeinsam begeben sich die beiden ungleichen Brüder auf die Suche nach ihrem Vater (Devid Striesow), den sie seit 15 Jahren nicht gesehen haben. Der lebt inzwischen mit seiner neuen Frau Clara (Claudia Mehnert) zusammen und ist überhaupt nicht begeistert, als Ben und Barnabas in sein Leben platzen. Als der Streit zwischen Vater und Sohn eskaliert, verliert Ben das erste Mal auch die Haltung gegenüber seinem Bruder. Und Barnabas steigt einfach in den nächsten Zug.

„Simple“ – Hintergründe

Bereits der französische Roman von der Autorin Marie-Aude Murail erzählte warmherzig, versponnen und schön von einer außergewöhnlichen Geschwisterbeziehung. Im Jahr 2008 wurde der Roman mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Nun folgt die Verfilmung von Markus Goller („Frau Ella„) mit Frederick Lau („Victoria„) und David Kross („Zeit für Legenden„) in den Hauptrollen. Darüber hinaus kann das Roadmovie mit Gastauftritten von Stars wie Annette Frier („Lucky Loser„), Emilia Schüle („LenaLove„) oder Axel Stein („Schatz, nimm du sie“) aufwarten.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Berührendes Road-Movie über einen jungen Mann, der mit seinem geistig zurückgebliebenen Bruder nach Hamburg abhaut, um zu verhindern, dass dieser in ein Heim gesteckt wird.
    Barnabas ist anders. Bei seiner Geburt erhielt sein Gehirn zu wenig Sauerstoff - und so ist der inzwischen 22-Jährige auf dem geistigen Stand eines Kindes geblieben. Sein Bruder Ben nennt Barnabas "Simpel" und liebt ihn so sehr, dass er sein eigenes Leben hintenanstellt, um sich mit ganzer Kraft um Simpel und seine schwer kranke Mutter zu kümmern. Doch dann stirbt die Mutter und die Polizei will Simpel in ein Heim bringen. Für Ben eine Vorstellung, die er nicht ertragen kann. Und so hauen die beiden ab nach Hamburg, wo der Vater der beiden lebt. Ben ist entschlossen, für sich und Simpel eine gemeinsame Lösung zu finden. Doch er muss schnell feststellen, dass er Simpel nicht immer kontrollieren kann. Und das Leben erst recht nicht. Der neue Film von Markus Goller ist einer dieser Filme, die mit ihrer Geschichte fesseln und mit ihren Figuren berühren. Mit großer Spannung folgt man Ben und Simpel auf ihrem abenteuerlichen Road Trip nach und durch Hamburg und bekommt das Gefühl, einen Teil des Weges mit diesen zwei wunderbaren Charakteren teilen zu können. David Kross gelingt es eindrucksvoll, Simpels Behinderung glaubhaft darstellen zu können, ohne jemals ins Grimassenhafte abzudriften oder falsches Mitleid zu erwecken. Denn Simpel ist ein großartiger Mensch mit Humor, Stolz und auch Weisheit. Und einmal wieder gelingt es Frederick Lau, in sein Spiel eine solche Intensität, Wärme und Entschlossenheit zu legen, dass man ihm alles glaubt: Die Verzweiflung, die Verbissenheit, die Liebe zu Simpel. Kross und Lau agieren ungemein harmonisch miteinander und so tragen sie die berührende Geschichte, die angefüllt ist mit grundsympathischen Nebenfiguren, u.a. Emilia Schüle und Axel Stein als neue Freunde, einem stimmungsvollen Soundtrack und wunderbar eingefangenen Aufnahmen Hamburgs. Doch wie die exzellente Kamera romantisiert auch das Drehbuch von Dirk Ahner und Markus Goller die Problematik nicht. Der Film spricht Probleme an, die viele Betroffenen nachvollziehen können, und malt die Welt nicht rosarot. Und doch ist man als Zuschauer bis zum Schluss des Films erfüllt von einem wunderbaren Gefühl der Herzenswärme, die SIMPEL durchzieht.

    Jurybegründung:

    Ben gehört zu den Menschen, die ihr Leben bedingungslos für andere einzusetzen vermögen, auch unter Verzicht auf alle eigenen Lebenswünsche.
    Ben lebt zusammen mit seinem geistig behinderten Bruder Barnabas - Simpel genannt - und seiner todkranken Mutter in einem Bauernhaus hinter dem Deich am Meer. Liebevoll pflegt er seine Mutter und ist in unverbrüchlicher Bruderliebe und Fürsorge für Simpel da. Jetzt stirbt seine Mutter und der Vater der Brüder im fernen Hamburg, seit vielen Jahren ohne Kontakt zu Ihnen, bestimmt, dass Simpel nicht in der Fürsorge von Ben bleiben darf und stattdessen in ein Heim gebracht werden soll.
    Ben widersetzt sich Polizei und Anstaltsleitung und flüchtet mit Simpel nach Hamburg. Dort beginnt eine mehrtätige Odyssee auf der Suche nach dem Vater und der Lösung ihrer Probleme, die sie nur mit der Hilfe von neuen Freunden erreichen können - der Medizinstudentin Aria und dem Sanitäter Enzo.
    Autor und Regisseur Markus Goller gelang mit Bravour die Meisterung eines sicher nicht ganz einfachen Stoffes. Mit sicherer Hand inszenierte er sehr sensibel dieses nicht ganz alltägliche Thema ernsthaft, aber dennoch unterhaltsam. Weder romantisierend, noch zu sehr dramatisierend, noch ab triftend ins Komödiantische.
    Dank eines glänzenden Drehbuchs und einem schönen Set-Design führt uns der Film an gut gewählte Schauplätze in Hamburg, bei der vor allem die unterschiedlichen Reaktionen von Simpel auf die für ihn so ungewohnte neue Welt und umgekehrt gut beobachtet eingefangen werden. So wird Simpel mit seiner Behinderung nie "ausgestellt" und der Lächerlichkeit preisgegeben. Dies ist aber auch in erster Linie dem großartigen und glaubhaften Spiel von David Kross zu verdanken, der unter einer sicheren Führung der Regie zu einer sensationellen Leistung kommt. Hervorragend auch das Spiel von Frederick Lau als Ben, dessen Gesicht alle seine Liebe zum Bruder und den gleichzeitigen Verzicht auf ein erfülltes eigenes Leben widerspiegelt. Emilia Schüle als Freundin Aria in der Not steht den Beiden mit ihrem guten Spiel nicht nach und zeigt im Kontrast zu Ben, dass Alleinsein in dieser Welt auch nicht unbedingt zur Erfüllung aller Träume führen kann.
    Eine schöne Kamera, eine präzise Montage und ein sehr passender Sound-Design gehören zu den weiteren guten handwerklichen Leistungen in diesem gelungenen Filmwerk.

    FBW-Jugend-Filmjury:

    (www.jugend-filmjury.com)

    In dem emotionalen Inklusionsdrama SIMPEL geht es um Ben, der sich täglich um seinen geistig behinderten Bruder Simpel kümmert. Als deren schwer kranke Mutter stirbt, wird das Leben für die beiden jungen Männer noch schwerer. Denn Simpel soll in ein Heim eingewiesen werden, weil befunden wird, dass Ben ihn nicht mehr alleine pflegen kann. Doch als Ben unerwartet eine Nachricht von ihrem gemeinsamen Vater bekommt, verhindert Ben mit Gewalt, dass Simpel in das Heim eingewiesen wird. Nun müssen beide vor der Polizei fliehen. Sie machen sich auf den Weg nach Hamburg, um dort den Vater zu treffen. Es beginnt eine berührende und realitätsnahe Abenteuerreise. Diese wird für Ben und Simpel trotz unerwarteter Hilfe schwierig. Wir geben dem Inklusionsdrama 4 Sterne, weil es berührend, emotional und ergreifend ist. Wir finden besonders die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller herausragend. Die Musik trägt mit passenden Texten und guten Melodien zur Stimmung des Filmes bei. Der ruhige Schnitt unterstützt die emotionale Stimmung. Durch die nahe Kameraführung fühlt man sich sehr in die Geschichte hineinversetzt. Wir empfehlen SIMPEL ab 10 Jahren.

    realitätsnah: 4,5 Sterne
    emotional: 4,5 Sterne
    langsam: 4 Sterne
    traurig: 3 Sterne
    berührend: 5 Sterne

    Gesamtbewertung: 4 Sterne.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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